Fragen und Antworten

1. Fragen zu den einzelnen Teilprojekten

TP 1: Neuer Standort Fachleute Betreuung
Warum eröffnet man einen neuen Standort für diesen Beruf
?
Die Fachrichtung Kinderbetreuung des Berufs Fachleute Betreuung wächst jährlich um 100 bis 150 Lernende. Die Berufsfachschule Winterthur ist deshalb in den letzten Jahren stark gewachsen und hat entsprechend Platzprobleme. Mit der Eröffnung eines neuen Schulorts soll das Wachstum auf zwei Schulen verteilt werden. Gleichzeitig wird das Bildungszentrum Zürichsee (BZZ) neu positioniert.


TP 2: Verschiebung der Schule für Dentalassistenten in Winterthur
Warum wird dieser Beruf innerhalb der Stadt Winterthur verschoben?

Der Beruf gilt aufgrund seiner Handlungskompetenzen wie Hygiene oder Röntgen als Gesundheitsberuf. Deshalb soll die Beschulung der Dentalassistentinnen und -assistenten EFZ unter der Verantwortung des Zentrums Ausbildung im Gesundheitswesen (ZAG) durchgeführt werden, das auch die Fachleute Gesundheit unterrichtet. Die Lernenden verbleiben dabei im selben Gebäude.

TP 3: Konzentration des Detailhandels
Der Abzug des Detailhandels von Horgen widerspricht einem Beschluss des Regierungsrats. Wieso will man es trotzdem machen?

Der Regierungsratsbeschluss 238/2013 hatte zum Ziel, die Detailhandelsschule Zürich zu entlasten, indem Detailhandelslernende aus Zürich nach Horgen zugewiesen werden sollten. Im Rahmen der Erarbeitung der Diskussionsgrundlage hat sich eine besser geeignete Möglichkeit ergeben, indem man in Horgen einen zweiten Schulort für die Fachleute Betreuung errichtet und den Ausgleich im Detailhandel zwischen Winterthur (BFS) und Zürich (DHZ) vollzieht. In beiden Städten und dem Gebiet dazwischen konzentriert sich ein wesentlicher Teil der Zürcher Detailhandelslehrstellen.

TP 4: Konzentration der Maschinebauberufe
Was passiert mit der Flugzeugmechaniker-Ausbildung an der Berufsschule Bülach?

Die Swiss International Air Lines AG ermöglicht im Rahmen der betrieblichen Ausbildung der Polymechaniker/innen EFZ in Zusammenarbeit mit der BSB den Erwerb einer internationalen A-Lizenz als Flugzeugmechaniker. Die Weiterführung dieser schweizweit einmaligen Ausbildung muss sichergestellt werden. Wenn ein genügend grosses Mengengerüst vorhanden ist, kann dies an der bisherigen Schule, der Berufsschule Bülach, geschehen oder andernfalls an einem neuen Standort. Der definitive Entscheid soll Anfang 2022 aufgrund der Entwicklung der Lernendenzahlen der Polymechaniker/innen mit internationaler Flugzeugmechaniker-Lizenz gefällt werden. Für einen Verbleib der Polymechaniker/innen mit internationaler Flugzeugmechaniker-Lizenz der an der BSB müssen kontinuierlich mindestens zwei Parallelklassen pro Lehrjahr vorhanden sein.

Wie werden die Lernenden den beiden Schulen Berufsbildungsschule Winterthur (BBW) und Berufsschule Rüti (BSR) zugeteilt?
Die Einteilung der Einzugsgebiete der beiden Schulen BBW und BSR für die Berufe Polymechaniker/in EFZ, Produktionsmechaniker/in EFZ, Konstrukteur/in EFZ und Mechanikpraktiker/in EBA erfolgt so, dass alle Lernenden der vier Berufe eines Lehrbetriebes dieselbe Schule besuchen.


TP 5: Neupositionierung des Bildungszentrums Limmattal
Der Beruf Recyclist/in und die Strassentransportberufe werden überkantonal beschult. Warum verschiebt man diese an eine regionale Schule?

Beide Berufe haben grosse Synergien mit den Logistikberufen, die bereits am Bildungszentrum Limmattal (BZLT) unterrichtet werden. Am BZLT entsteht so ein kantonales Kompetenzzentrum für Logistik-Transport und Recycling. Die Schule hat mit dieser Positionierung eine Zukunftsperspektive und kann sich auch im Bereich der Weiterbildung weiterentwickeln.

TP 6: Konzentration der Elektroinstallationsberufe
Warum werden in der zweitgrössten Stadt im Kanton Zürich die Elektroinstallationsberufe nicht mehr unterrichtet?

Die Elektroinstallationsberufe werden aktuell an fünf Schulen unterrichtet, was an mehreren Standorten zu unterbesetzten Klassen führt. Mit der Konzentration auf drei Standorte sollen unterbesetzte Klassen beim Beruf Montage-Elektriker/in EFZ an den heutigen Standorten reduziert werden. Die dadurch entstehenden grösseren Fachschaften und die Bündelung der berufsspezifischen Infrastruktur sollen sicherstellen, dass die Schulen der zu erwartenden Entwicklung dieser Berufe gewachsen sind. Durch die Reduktion der Standorte sinkt der Koordinationsaufwand für den Anbieter der überbetrieblichen Kurse.

Die Zusammenfassung der Elektroinstallationsberufe ermöglicht zudem die Konzentration der Maschinenbauberufe von vier auf zwei Standorte. Sowohl die Berufsschule Bülach (BSB), als auch die Berufsbildungsschule Winterthur (BBW) werden dadurch in ihrer Positionierung geschärft.

Müssen nun die Lernenden des Bildungszentrums Zürichsee nach Bülach zur Schule?
Die Einzugsgebiete der Schulen werden aufgrund der Standorte der Lehrbetriebe, der Erreichbarkeit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und der Kapazität der Schule festgelegt. Die Einzugsgebiete werden nun bei all jenen Berufen neu eingeteilt, die an weniger Schulen unterrichtet werden als bisher, aber immer noch an mehr als einer. Die Sollzahl an Lernenden der betreffenden Berufe ist im Konzept Berufszuteilung für jede Schule festgelegt.

Im Fall der Elektroinstallationsberufe werden die Lernenden der Lehrbetriebe des BZZ der Technischen Berufsschule Zürich (TBZ) zugeteilt und ein Teil der TBZ-Lehrbetriebe der Berufsschule Bülach (BSB), so dass an beiden Schulen die Sollzahlen gemäss Konzept Berufszuteilung erreicht werden.

TP 7: Neupositionierung der Berufsschule Bülach
Die Berufsschule Bülach ist eine vergleichsweise kleine KV-Schule. Warum stockt man sie nicht auf?

Im Rahmen der Umsetzung der laufenden Totalrevision des Berufs Kauffrau/-mann EFZ wird die Zuteilung der kaufmännischen Lernenden an die Berufsfachschulen grundsätzlich überprüft werden müssen. Sollte sich hierbei zeigen, dass eine weitere Erhöhung der Lernendenzahlen für eine effiziente Umsetzung sinnvoll ist, soll diese dann vorgenommen werden.

TP 8: Zuteilung der Bauberufe
Die Berufsbildungsschule Winterthur hat sich massiv gegen die Verschiebung der Zeichner, Fachrichtung Architektur nach Wetzikon gewehrt. Warum hat der Bildungsrat doch so entschieden?

Bei der Zuteilung der Bauberufe war bereits beim Start des Projekts klar, dass eine Lösung eine oder mehrere Schulen stark treffen würde. In zwei Sitzungen mit den Schulen konnte keine von allen akzeptierte Lösung gefunden werden. Die Vernehmlassung brachte wohl die Forderung, die Zeichner Fachrichtung Architektur in Winterthur zu belassen, aber keine neue Variante der Zuteilung der Berufe.

Der Bildungsrat hat mehrere Varianten geprüft und sich für diejenige entschieden, welche die drei Schulen insgesamt am wenigsten beeinträchtigt. Andere Varianten hätten zu einen stärkeren Beeinträchtigung der Weiterbildung und zu einer stärkeren Reduktion der Lernendenzahlen an der Berufsbildungsschule Winterthur geführt.

TP 9: Anpassung der Berufszuteilung an der Berufsbildungsschule Winterthur
Die Berufsbildungsschule Winterthur wird massiv dezimiert. Ist das notwendig?

Die BBW ist eine der grössten Berufsfachschulen im Kanton Zürich. Es werden aktuell 46 Berufe unterrichtet, darunter auch zahlreiche Klein- und Kleinstberufe, die überkantonal beschult werden. Keine andere Berufsfachschule unterrichtet annähernd so viele Berufe. Von den zahlenmässig grösseren Berufen werden mehrere auch an weiteren Schulen im Kanton Zürich unterrichtet. Aufgrund ihrer Grösse ist die BBW vom Projekt Kompetenzzentren stark betroffen: Sie gibt mehrere Berufe ab, wird aber u.a. einer der beiden grossen Ausbildungsstandorte für die Maschinenbau-Berufe und die Schreinerberufe. Sie bleibt eine der grössten Schulen im Kanton Zürich und es ist davon auszugehen, dass die Lernendenzahlen aufgrund des prognostizierten Bevölkerungswachstums und mit der Zuweisung neuer Berufe, die überregional beschult werden müssen, wieder ansteigen werden.

TP 10: Positionierung der Allgemeinen Berufsschule Zürich
Warum wird der Physiklaborant an die Technische Berufsschule Zürich verschoben?

Der Beruf Physiklaborant/in hat im schulischen Unterricht sehr viele Synergien mit dem Beruf Elektroniker/in. Es ist deshalb sinnvoll, ihn an einer Schule zu unterrichten, die auch den Elektroniker unterrichtet. Da alle Deutschschweizer Physiklaboranten an einem Ort beschult werden, ist eine Schule in der Stadt Zürich für die Schulwege der Lernenden ideal.

TP 11: Konzentration der Coiffeurberufe
Warum wird der Berufs Coiffeuse/Coiffeur von der Berufsbildungsschule Winterthur an die Berufsschule Mode und Gestaltung nach Zürich verschoben?

Der Beruf Coiffeuse/Coiffeur EFZ wird an der Berufsschule Mode und Gestaltung (BSMG) konzentriert. Die Berufsbildungsschule Winterthur (BBW) und die Berufsschule Rüti (BSR) unterrichten den Beruf nicht mehr. Dadurch werden zwei kleine Fachschaften in die Fachschaft der BSMG integriert. Unterbesetzte Klassen können weitgehend vermieden werden und es wird ein flexibleres Wechseln von der zweijährigen in die dreijährige berufliche Grundbildung und umgekehrt möglich. Die BSMG kann zudem ein zentrales Weiterbildungsangebot lancieren.


TP 12: Kaufmännische Grundbildung im Zürcher Oberland
Bereits 2014 wollte man die beiden KV-Standorte im Zürcher Oberland zusammenlegen. Das hat nicht funktioniert. Wieso hat man diese alte Lösung reaktiviert?

Das Grundproblem, dass im Zürcher Oberland zwei relativ kleine KV-Standorte in unmittelbarer Nachbarschaft bestehen, ist unverändert. Die Ausgangslage ist jedoch heute eine andere als 2014.
Im Rahmen der Diskussionen um eine neue KV-Schule im Zürcher Oberland beschlossen die Schulkommissionen der beiden betroffenen Schulen, der Berufsfachschule Uster und der Wirtschaftsschule KV Wetzikon, eine gemeinsame Schule unter einer Leitung an zwei Standorten zu prüfen. Der Bildungsrat begrüsst diesen Vorschlag und stellt die Zeit für diesen Prozess zur Verfügung. Falls die Prüfung negativ verlaufen sollte, wird sich der Bildungsrat auf der Basis der in der Vernehmlassung diskutierten Lösungsvarianten wieder mit dem Thema beschäftigen.

Das Scheller-Areal in Wetzikon soll offiziell als «Rochadefläche» für die Sanierung von KZO und GBW genutzt werden. Ab 2024 wollte man das neue KV dort unterbringen. Das kommt nun nicht zustande. Wie nutzt man nun diesen Schulraum?
Der absehbare starke Anstieg der Lernendenzahlen (+11 000 bis 2030) zwingt das MBA, den vorhandenen Schulraum optimal auszunutzen. Es ist unbestritten, dass sich das Scheller-Areal im Rahmen der Gesamtkonzeption anbietet, um eine grössere neue Schule aufzunehmen. Ein ähnlich grosses Raumvolumen ist sonst im Oberland nicht verfügbar.

Da nun die beiden Schulkommissionen des KV Wetzikon und der Berufsfachschule Uster die Errichtung einer gemeinsamen Schule an zwei Standorten und einer Leitung prüfen, bietet sich das Scheller-Areal an, einen Teil dieser Schule aufzunehmen.

Warum belässt man in Stäfa ein „Mini-KV“?
Das KV in Stäfa ist keine selbständige Schule, sondern Teil des Bildungszentrums Zürichsee (BZZ). Es ist der einzige Berufsschulstandort am rechten Seeufer. Das BZZ hat durch diesen Standort die Möglichkeit, die Lernenden so zu beschulen, dass kurze Schulwege möglich sind. Eine ähnliche Lösung prüft man jetzt für die Berufsfachschule Uster und das KV Wetzikon. Zudem wird das BZZ im Rahmen des Projekts bereits so stark verändert, dass eine weitere Anpassung nicht mehr verantwortbar wäre. Es gibt über einen Drittel der bisherigen Lernenden ab und erhält mit 800 neuen Lernenden eine Verdoppelung der verbleibenden.

TP 13: Neupositionierung der Berufsfachschule Uster Warum werden die Elektroniker nicht an einem Standort zusammengefasst und der Physiklaborant der Technischen Berufsschule Zürich zugeteilt?
Im Rahmen der Vernehmlassung äussern sich die Technische Berufsschule Zürich (TBZ), der KMU und Gewerbeverband Kanton Zürich sowie ein grosser Lehrbetrieb negativ zur Abgabe des Berufs Elektroniker/in EFZ. Er sei das Kernstück innerhalb der technischen Berufe der TBZ mit Synergien zu anderen Berufen wie beispielsweise den Elektroinstallations- und den Automobilberufen; zudem sei zu befürchten, dass die betroffenen Fachlehrpersonen nicht an die BFSU wechseln würden und auch die Organisation des Qualifikationsverfahrens nicht mehr sichergestellt werden könne. Mit der Zuteilung des Berufs Physiklaborant/in EFZ, der viele Synergien zum Elektroniker aufweist, könne dieser an der TBZ gestärkt werden.
Ebenfalls beharrt die BFSU auf der Ausbildung der Informatiker, da diese für die gewünschte Positionierung notwendig seien.
Der Bildungsrat hat die Argumente geprüft und entschieden, den Beruf Elektroniker/in an der TBZ zu belassen und mit dem Beruf Physiklaborant der ABZ zu ergänzen. Damit können die Synergien der beiden Berufe genutzt werden. Sie er-reichen insgesamt 3-4 Parallelklassen. Im Gegenzug verbleibt der Beruf Informatiker Fachrichtung Systemtechnik an der BFSU.

Warum werden die Informatik-Standorte nicht reduziert?
Eine der Varianten der Vernehmlassung sah vor, die Informatiker der Berufsfachschule Uster im Tausch gegen die Elektroniker an die Technische Berufsschule Zürich zu verschieben. Aufgrund der der Argumente aus der Vernehmlassung hat der Bildungsrat entschieden, die beiden Berufe an den Schulen zu belassen. Das Bildungszentrum Zürichsee wird bereits mit der geplanten Neupositionierung so stark verändert, dass eine Abgabe der Informatikberufe das Machbare übersteigen würde. Zudem ist aufgrund des Fachkräftemangels bei diesen Berufen mit einem Wachstum zu rechnen.

2. Was bedeutet das für uns als Schule?

Werden Schulen geschlossen?
Das vorliegende Konzept sieht keine Schliessung von Schulen vor. Falls die Prüfung des Zusammenschlusses der Berufsfachschule Uster mit der Wirtschaftsschule KV Wetzikon positiv verläuft, würden die beiden Schulen zu einer Schule an zwei Standorten unter einer gemeinsamen Leitung fusionieren.

Werden wir zu einem Beruf noch Weiterbildungskurse anbieten können, falls der Beruf an eine andere Schule wechselt?
Längerfristig wird dies weder möglich noch sinnvoll sein. Da in den meisten Fällen die Lehrpersonen der Grundbildung auch in der Weiterbildung tätig sind, werden diese nach der Verschiebung des Berufs an der abgebenden Schule fehlen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die entsprechenden Weiterbildungskurse an der aufnehmenden Schule angeboten werden.

3. Was bedeutet das für mich als Lehrperson?

Wie viele Lehrpersonen sind betroffen?
Gemäss der Schätzung der Projektleitung sind vom Projekt ca. 120 Vollzeitstellen betroffen, was bei einem durchschnittlichen Beschäftigungsgrad von 55 % ca. 220 Personen entspricht. Diese Schätzung soll in der 1. Phase der Umsetzung konkretisiert werden, damit möglichst rasch mit den Betroffenen die Optionen für ihre weitere Tätigkeit besprochen werden können.

Werden Stellen abgebaut?
Es geht im Projekt nicht darum, Stellen zu reduzieren. Mit der Umteilung von Berufen von einer Schule an eine andere kommt es aber zu Verschiebungen von Stellen, insbesondere bei den Berufskunde-Lehrpersonen. Das heisst, dass sich in einigen Fällen der Arbeitsort ändern wird. Das Bevölkerungswachstum und natürliche Fluktuationen im Lehrkörper werden gemäss unserer heutigen Einschätzung zusätzlich dafür sorgen, dass keine Stellen abgebaut werden, selbst wenn sich die Zahl der Schulklassen zwischenzeitlich reduzieren sollte.

Werde ich meinen Arbeitsort wechseln müssen?
Das ist möglich. Wenn ein Beruf bzw. Berufsfeld von einer Schule an eine andere verschoben wird, ändert auch der Arbeitsort der betroffenen Berufskunde-Lehrpersonen.

Wird es Lohneinbussen / kleinere Pensen geben?
Pensumsreduktionen sind im Einzelfall nicht auszuschliessen. Siehe dazu auch oben unter «Stellenabbau».

Weshalb wurden wir nicht von Anfang an in das Projekt involviert?
Das Projekt wurde am 20. September 2018 gestartet. Alle Betroffenen waren von Anfang an im Projekt involviert. Die zu Beginn des Projekts präsentierte Diskussionsgrundlage, die mit allen betroffenen Schulen besprochen wurde, hat einen breiten Einbezug aller Involvierten und Beteiligten ermöglicht. Vertreter/innen der Lehrpersonenkonferenz der Berufsfachschulen (LKB) waren Mitglieder der Reflexionsgruppe und somit auch in die Arbeiten involviert. Im Teilprojekt Personal, das sich mit den personellen Auswirkungen des Projekts beschäftigte und ein Massnahmenpaket zur Bewältigung der Veränderungen erarbeitete, waren die Lehrpersonen- und Personalverbände vertreten. Zudem haben die Lehrpersonen- und Personalverbände ihre Anliegen im Rahmen der Vernehmlassung einbringen können.

Werden Lehrpersonen von kantonalen Schulen zu privaten Schulen wechseln müssen? Wenn ja, wie wird sich das auf die Anstellungsbedingungen auswirken? Verschlechtern sich die Bedingungen dadurch?
Gemäss dem vorliegenden Bildungsratsbeschluss wird ein einziger Beruf von einer kantonalen an eine private Schule verschoben: Die Fachleute Textilpflege von der Allgemeinen Berufsschule Zürich an die Schweizerische Textilfachschule Zürich. Die Anstellungsbedingungen für betroffenen Fachlehrpersonen werden mit der übernehmenden Schule vereinbart werden. Das Personal der nichtkantonalen Berufsfachschulen untersteht dem kantonalen Personalrecht (§21 Abs. 3 EG BBG). 

4. Was bedeutet das für mich als ausbildendes Unternehmen?

Ist mein Standort für Lernende noch attraktiv?
Ein wichtiges Ziel des Projekts ist es, die Standorte für die Lernenden und die Lehrbetriebe attraktiv zu machen. Die Bildung von Kompetenzzentren ermöglicht eine Konzentration der Fachkompetenz und den Aufbau moderner berufsspezifischer Infrastruktur.

Wird der Umbau dabei helfen, dass ich wieder genügend Lernende finde?
Für die Attraktivität eines Berufs ist eine gut aufgestellte Berufsfachschule sicher ein positiver Aspekt. Wichtig sind aber insbesondere betriebliche Faktoren im Lehrbetrieb und die Berufswerbung des Branchenverbandes. Eine Jugendliche oder ein Jugendlicher wählt jedoch letztendlich primär einen Beruf und den Betrieb, in dem dieser erlernt werden kann und nicht die Berufsfachschule.

Weshalb wurden wir nicht von Anfang an in das Projekt involviert?
Das Projekt wurde am 20. September 2018 gestartet. Alle Betroffenen waren somit von Anfang an im Projekt involviert. Die zu Beginn des Projekts präsentierte Diskussionsgrundlage in Verbindung mit einer transparenten Kommunikation soll den Einbezug von allen Involvierten und Beteiligten ermöglichen. Eine Vertretung der Arbeitgeberorganisationen war zudem in der Reflexionsgruppe und somit auch in die Arbeiten involviert. Die Diskussionsgrundlage wurde zudem mit den betroffenen kantonalen und teilweise auch nationalen Organisationen der Arbeitswelt diskutiert und deren Haltung abgeholt. Im Rahmen der offiziellen Vernehmlassung bestand die Möglichkeit, zum Projekt direkt Stellung zu nehmen.

5. Was bedeutet das für mich als Schülerin oder Schüler?

Werde ich mein Schulhaus wechseln müssen?
Die Umsetzung des Projekts wird etappenweise im Zeitraum 2020 bis 2023 erfolgen. Es ist für alle Betroffenen anzustreben, dass die Umteilung der einzelnen Berufe zügig erfolgen kann. Deshalb wird für einen Teil der Lernenden der betroffenen Berufe ein Wechsel der Schule notwendig sein.

Wie viele Lernende werden betroffen sein?
Nach einer Schätzung auf der Basis der Daten von November 2019 ändert durch die Neuzuteilung der Berufe der Schulort für ca. 4 100 Lernende oder ca. 10,5% aller Lernenden, die im Kanton Zürich eine Berufsfachschule besuchen. Es werden aber nicht alle die Schule wechseln müssen.

6. Was bedeutet das für mich als Steuerzahler?

Handelt es sich dabei um eine Sparmassnahme?
Nein, es ist keine Sparmassnahme. Es geht primär darum, die Schulen so aufzustellen, dass sie die Herausforderungen der Zukunft gut meistern und wichtige Themen aktiv aufnehmen können: Die Veränderungen der Arbeitswelt, die Digitalisierung und das Zürcher Bevölkerungswachstum. Aufgrund des neuen Finanzierungsmodells stehen die frei werdenden Mittel den Schulen z.B. für Stütz- und Freifächer, Digitalisierungsprojekte und die Entwicklung neuer Unterrichtsformen zur Verfügung.

Was kostet der Umbau?
Infolge des Projekts entstehen grössere Fachschaften, die den Schulen Flexibilität in der Stundenplanung sowie in der Unterrichts- und Schulentwicklung ermöglichen. Durch die Konzentration der berufsspezifischen Infrastruktur können Investitionen gezielter getätigt werden. Gemäss Kostenschätzung der Projektleitung im Rahmen der ersten Überlegungen zur Umsetzung des Lösungsvorschlags wird mit Kosten von 9.8 Mio Fr. gerechnet. Diesen Kosten steht ein ebenfalls erst grob abgeschätzter Nutzen gegenüber: Aufgrund der Konzentration der Schulorte können zunächst schätzungsweise 30 Klassen weniger geführt werden. So werden schätzungsweise ca. 2.4 bis 3.0 Mio Franken an den Schulen freigespielt, die für die Sicherung der Unterrichtsqualität eingesetzt werden können. Dieser Effekt wird aber mittelfristig durch die steigenden Lernendenzahlen wieder aufgehoben.

Die Umstellung dauert ziemlich lange. Bis 2030 wird die Zahl der Lernenden um etwa einen Viertel steigen. Wird auch dann noch ausreichend Schulraum zur Verfügung stehen?
Durch die Optimierung der Schulraumnutzung stellt das Projekt u.a. auch sicher, dass genügend Schulraum verfügbar ist. Die Herausforderung liegt vielmehr in der Schaffung von genügend Lehrstellen.

Wieso gerade vier Parallelklassen pro Beruf und Lehrjahr?
Es handelt sich hierbei um eine Vorgabe des Bildungsrates.
Um einen professionellen, qualitativ hochstehenden Unterricht in einem Beruf gewährleisten zu können, benötigt eine Schule eine Fachschaft von einer bestimmten Grösse. Mit vier Parallelklassen können mindestens zwei volle Lehrerpensen für den berufskundlichen Unterricht besetzt werden.

Macht die Bündelung der Berufe die Berufsfachschulen nicht anfällig für starke Veränderungen bei der Berufswahl?
Die regionalen Schulen verfügen in der Regel über mindestens zwei Berufsfelder, was das Risiko einer starken Veränderung der Lernendenzahlen in einem Beruf abfedern soll. Zudem wird in den städtischen Schulen Raum für die Aufnahme neuer Berufe auch für die überkantonale Beschulung freigespielt.

7. Wie geht es weiter?

Wie wird das Projekt nun umgesetzt?
Das Projekt soll bis spätestens 2024 umgesetzt werden. Die Umsetzung erfolgt etap-penweise über die nächsten drei Jahre. Die meisten Teilprojekte werden in den Jahren 2021 und 2022 umgesetzt werden. Dabei ist auf laufende Berufsrevisionen und Renovationen von Schulhäusern Rücksicht zu nehmen. Die detaillierte Planung wird aktuell unter Einbezug der Schulen erstellt. Es ist vorgesehen, für jedes Teilprojekt mit den betroffenen Schulen eine Projektorganisation zu bilden, bei der in der Regel die übernehmende Schule die Leitung haben soll. Auch in dieser Phase des Projekts sollen Schulen, Personalverbände und Lehrpersonenvereinigungen stark miteinbezogen werden.

Welches Teilprojekt wird als erstes umgesetzt?
Das erste Umsetzungsprojekt startet im Jahr 2020 mit der Verschiebung der Schule Dentalassistenten Winterthur von der Berufsfachschule Winterthur an das Zentrum für Ausbildung im Gesundheitswesen (Teilprojekt 2).