Fragen und Antworten

1. Was bedeutet das für uns als Schule?

Werden Schulen geschlossen?
Der vorliegende Lösungsvorschlag sieht keine Schliessung von Schulen vor. Mit der Gründung eines neuen KV im Zürcher Oberland würde das KV Wetzikon in die neue Schule integriert. Dazu ist ein Kantonsratsbeschluss notwendig.

Werden wir zu einem Beruf noch Weiterbildungskurse anbieten können, falls der Beruf an eine andere Schule wechselt?
Längerfristig wird dies nicht möglich sein. Da in den meisten Fällen die Lehrpersonen der Grundbildung auch in der Weiterbildung tätig sind, werden diese nach der Verschiebung des Berufs an der abgebenden Schule fehlen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die entsprechenden Weiterbildungskurse an der aufnehmenden Schule angeboten werden.

2. Was bedeutet das für mich als Lehrperson?

Werden Stellen abgebaut?
Es geht im Projekt nicht darum, Stellen zu reduzieren. Mit der Umteilung von Berufen von einer Schule an eine andere kommt es aber zu Verschiebungen von Stellen, insbesondere bei den Berufskunde-Lehrpersonen. Das heisst, dass sich in einigen Fällen der Arbeitsort ändern wird. Das Bevölkerungswachstum und natürliche Fluktuationen im Lehrkörper werden gemäss unserer heutigen Einschätzung zusätzlich dafür sorgen, dass keine Stellen abgebaut werden, selbst wenn sich die Zahl der Schulklassen zwischenzeitlich reduzieren sollte.

Werde ich meinen Arbeitsort wechseln müssen?
Das ist möglich. Wenn ein Beruf bzw. Berufsfeld von einer Schule an eine andere verschoben wird, ändert auch der Arbeitsort der betroffenen Berufskunde-Lehrpersonen.

Wird es Lohneinbussen / kleinere Pensen geben?
Pensumsreduktionen sind im Einzelfall nicht auszuschliessen. Siehe dazu auch oben unter «Stellenabbau».

Weshalb wurden wir nicht von Anfang an in das Projekt involviert?
Das Projekt wurde am 20. September 2018 mit einer KickOff-Veranstaltung gestartet. Alle Betroffenen waren somit von Anfang an im Projekt involviert. Die zu Beginn des Projekts präsentierte Diskussionsgrundlage, die mit allen betroffenen Schulen besprochen wurde, hat einen breiten Einbezug aller Involvierten und Beteiligten ermöglicht. Vertreter/innen der Lehrpersonenkonferenz der Berufsfachschulen (LKB) sind Mitglieder der Reflexionsgruppe und somit auch in die Arbeiten involviert. Im Teilprojekt Personal, das sich mit den personellen Auswirkungen des Projekts beschäftigt und ein Massnahmenpaket zur Bewältigung der Veränderungen erarbeitete, sind die Lehrpersonen- und Personalverbände vertreten.

Werden Lehrpersonen von kantonalen Schulen zu privaten Schulen wechseln müssen? Wenn ja, wie wird sich das auf die Anstellungsbedingungen auswirken? Verschlechtern sich die Bedingungen dadurch?
Gemäss dem vorliegenden Lösungsvorschlag wird ein Beruf von einer kantonalen an eine private Schule verschoben: Die Fachleute Textilpflege von der Allgemeinen Berufsschule Zürich an die Schweizerische Textilfachschule Zürich. Die Anstellungsbedingungen für betroffenen Fachlehrpersonen werden mit der übernehmenden Schule vereinbart werden.

Bereits 2014 wollte man die beiden KV-Standorte im Zürcher Oberland zusammenlegen. Das hat nicht funktioniert. Hat man nichts Besseres gewusst, als eine alte, untaugliche Lösung hervorzukramen?
Die Ausgangslage ist heute eine andere als 2014. Im Rahmen einer Gesamtkonzeption besteht die Chance, für alle Involvierten eine zukunftsträchtige Lösung zu finden: Der technische Teil der Berufsfachschule Uster soll im Bereich Automation, Elektronik, Informatik, Robotik positioniert und erweitert werden. Die technische Berufsmaturitätsschule wird dadurch ebenfalls gestärkt. Die kaufmännische Grundbildung soll mit der Wirtschaftsschule KV Wetzikon ein KV für das Zürcher Oberland bilden, das die Herausforderungen der zukünftigen kaufmännischen Grundbildung bewältigen kann. Da das KV Wetzikon als private Schule nicht der Weisungsbefugnis des Kantons untersteht und das Gewerbe und die Standortgemeinde Uster sowie das regionale Gewerbe wünschen, dass die beiden Berufsfelder Wirtschaft und Technik in Uster beschult werden, hat der Bildungsrat beschlossen, eine alternative Variante ohne neue KV-Schule in die Vernehmlassung zu geben.

Das Scheller-Areal in Wetzikon wurde offiziell als «Rochadefläche» für die Sanierung von KZO und GBW genutzt. Nun möchte man dort das KV unterbringen. Das legt den Schluss nahe, dass dies von Anfang an so geplant war.
Der absehbare starke Anstieg der Lernendenzahlen (+11 000 bis 2030) zwingt das MBA, den vorhandenen Schulraum optimal auszunutzen. Es ist unbestritten, dass sich das Scheller-Areal im Rahmen der Gesamtkonzeption anbietet, um eine grössere neue Schule aufzunehmen. Ein ähnlich grosses Raumvolumen ist sonst im Oberland nicht verfügbar.

Die Sozialberufe (Fachleute Betreuung EFZ) hingegen will man von einem neu auf zwei Standorte aufspalten. Das macht doch keinen Sinn.
Die Berufsfachschule Winterthur ist heute mit ca. 2 700 Fachleuten Betreuung der einzige Schulort für die Sozialberufe. Jährlich kommen 100 bis 150 zusätzliche Lernende dazu (= 4-6 Klassen). Dieses Wachstum wird sich gemäss den Prognosen mindestens noch bis 2024 fortsetzen. Die Schule kommt so einerseits raummässig an ihre Grenzen, andererseits ist sie nur noch mit organisatorischen Fragen beschäftigt und findet kaum Zeit für Fragen der Schulentwicklung und für Innovationen. Mit der Errichtung eines zweiten Standorts soll einerseits die BFS entlastet werden, anderseits verkürzt sich auch der Schulweg für einige Lernende.

Die Verlagerung des Detailhandels nach Horgen widerspricht einem Beschluss des Regierungsrats. Wieso will man es trotzdem machen?
Der Regierungsratsbeschluss hatte zum Ziel, die Detailhandelsschule Zürich zu entlasten, indem Detailhandelslernende aus Zürich nach Horgen zugewiesen werden sollten. Im Rahmen der Erarbeitung der Diskussionsgrundlage hat sich nun eine besser geeignete Möglichkeit ergeben, indem man in Horgen einen zweiten Schulort für die Fachleute Betreuung errichtet und den Aus-gleich im Detailhandel zwischen Winterthur (BFS) und Zürich (DHZ) vollzieht. In beiden Städten und dem Gebiet dazwischen konzentriert sich ein wesentlicher Teil der Detailhandelslehrstellen.

3. Was bedeutet das für mich als ausbildendes Unternehmen?

Ist mein Standort für Lernende noch attraktiv?
Ein wichtiges Ziel des Projekts ist es, die Standorte für die Lernenden und die Lehrbetriebe attraktiv zu machen. Die Bildung von Kompetenzzentren ermöglicht eine Konzentration der Fachkompetenz und den Aufbau moderner berufsspezifischer Infrastruktur.

Wird der Umbau dabei helfen, dass ich wieder genügend Lernende finde?
Für die Attraktivität eines Berufs ist eine gut aufgestellte Berufsfachschule sicher ein positiver Aspekt. Wichtig sind aber insbesondere betriebliche Faktoren im Lehrbetrieb und die Berufswerbung des Branchenverbandes. Eine Jugendliche oder ein Jugendlicher wählt jedoch letztendlich primär einen Beruf und den Betrieb, in dem dieser erlernt werden kann und nicht die Berufsfachschule. 

Weshalb wurden wir nicht von Anfang an in das Projekt involviert?
Das Projekt wurde am 20. September 2018 mit einer Kickoff-Veranstaltung gestartet. Alle Betroffenen waren somit von Anfang an im Projekt involviert. Die zu Beginn des Projekts präsentierte Diskussionsgrundlage in Verbindung mit einer transparenten Kommunikation soll den Einbezug von allen Involvierten und Beteiligten ermöglichen. Eine Vertretung der Arbeitgeberorganisationen ist zudem in der Reflexionsgruppe und somit auch in die Arbeiten involviert. Die Diskussionsgrundlage wurde zudem mit den betroffenen kantonalen und teilweise auch nationalen Organisationen der Arbeitswelt diskutiert und deren Haltung abgeholt.

4. Was bedeutet das für mich als Schülerin oder Schüler?

Werde ich mein Schulhaus wechseln müssen?
Die Umsetzung des Projekts wird etappenweise im Zeitraum 2020 bis 2023 erfolgen, eine allfällige neue KV-Schule in Wetzikon wird aufgrund der Verfügbarkeit der Räumlichkeiten sogar erst per Schuljahr 2024/25 umgesetzt werden können. Es ist aber für alle Betroffenen anzustreben, dass die Umteilung der einzelnen Berufe zügig erfolgen kann. Deshalb wird für einen Teil der Lernenden der betroffenen Berufe ein Wechsel der Schule notwendig sein. 

Wie viele Lernende werden betroffen sein?
Nach einer Schätzung auf der Basis der Daten von November 2018 ändert durch die Neuzuteilung der Berufe der Schulort für ca. 5 100 Lernende oder ca. 13% aller Lernenden, die im Kanton Zürich eine Berufsfachschule besuchen. Es werden aber nicht alle die Schule wechseln müssen. 

5. Was bedeutet das für mich als Steuerzahler?

Handelt es sich dabei um eine Sparmassnahme?
Nein, es ist keine Sparmassnahme. Es geht primär darum, die Schulen so aufzustellen, dass sie die Herausforderungen der Zukunft gut meistern und wichtige Themen aktiv aufnehmen können: Die Veränderungen der Arbeitswelt, die Digitalisierung und das Zürcher Bevölkerungswachstum. Aufgrund des neuen Finanzierungsmodells stehen die frei werdenden Mittel den Schulen z.B. für Stütz- und Freifächer, Digitalisierungsprojekte und die Entwicklung neuer Unterrichtsformen zur Verfügung.

Was kostet der Umbau?
Infolge des Projekts entstehen grössere Fachschaften, die den Schulen Flexibilität in der Stundenplanung sowie in der Unterrichts- und Schulentwicklung ermöglichen. Durch die Konzentration der berufsspezifischen Infrastruktur können Investitionen gezielter getätigt werden. Gemäss Kostenschätzung der Projektleitung im Rahmen der ersten Überlegungen zur Umsetzung des Lösungsvorschlags wird mit Kosten von 9.8 Mio Fr. gerechnet. Diesen Kosten steht ein ebenfalls erst grob abgeschätzter Nutzen gegenüber: Aufgrund der Konzentration der Schulorte können zunächst schätzungsweise 30 Klassen weniger geführt werden. So werden schätzungsweise ca. 2.4 bis 3.0 Mio Franken an den Schulen freigespielt, die für die Sicherung der Unterrichts-qualität eingesetzt werden können. Dieser Effekt wird aber mittelfristig durch die steigenden Lernendenzahlen wieder aufgehoben.

Die Umstellung dauert ziemlich lange. Bis 2030 wird die Zahl der Lernenden um etwa einen Viertel steigen. Wird auch dann noch ausreichend Schulraum zur Verfügung stehen?
Durch die Optimierung der Schulraumnutzung stellt das Projekt u.a. auch sicher, dass genügend Schulraum verfügbar ist.  Die Herausforderung liegt vielmehr in der Schaffung von genügend Lehrstellen.

Wieso gerade vier Parallelklassen pro Beruf und Lehrjahr?
Es handelt sich hierbei um eine Vorgabe des Bildungsrates.
Um einen professionellen, qualitativ hochstehenden Unterricht in einem Beruf gewährleisten zu können, benötigt eine Schule eine Fachschaft von einer bestimmten Grösse. Mit vier Parallelklassen können mindestens zwei volle Lehrerpensen für den berufskundlichen Unterricht besetzt werden.

Macht die Bündelung der Berufe die Berufsfachschulen nicht anfällig für starke Veränderungen bei der Berufswahl?
Die regionalen Schulen verfügen in der Regel über mindestens zwei Berufsfelder, was das Risiko einer starken Veränderung der Lernendenzahlen in einem Beruf abfedern soll. Zudem wird in den städtischen Schulen Raum für die Aufnahme neuer Berufe auch für die überkantonale Beschulung freigespielt.